Predigt über Apg 3,1-10
12 nach Trinitatis 2019

Jesus der Fürst des Lebens macht alles Neu

Das Leben geht seinen gewohnten Gang

Ein Nachmittagsgottesdienst im Tempel

Es ist ein Tag wie jeder andere.
Um die neunte Stunde strömen die Menschen zum Jerusalemer Tempel.
Das ist nach unser Zeitrechnung 15 Uhr!
Die Menschen wollen während des nachmittäglichen Opfers im Tempel beten.
Auch die Jünger Jesus Petrus und Johannes sind dabei.
Alles geht seinen gewohnten Gang, wie jeden Nachmittag.
Ja der herodianische Tempel.
Dieses Weltwunder.
Mit dem Vorhof für die Heiden
Dem Vorhof für die Frauen
Dem inneren Hof, den nur die jüdischen Männer betreten dürfen.
Und dann der Tempel mit dem Allerheiligsten.
Und überall gibt es schöne Tore, durch die die Menschen hindurch strömen.
Diese Tore waren entweder mit Gold und Silberblech beschlagen oder mit Bronze.
Unübersehbarer Pracht und Reichtum.
Wie in einer Barockkirche hier bei uns im Allgäu.
Und alles geht seinen gewohnten Gang.
Das religiöse Leben: die Opfer, die Gebete, die Gottesdienste.

Der Bettler draußen vor der Tür

Und das Leben draußen vor der Tür geht seinen Gang.
Bei dem, der nicht hinein gehen kann.
Bei dem, der nicht hineingehen darf, weil ein Gebot des alten Testamentes dies verbietet Den Lahmen ist der Zutritt zum Tempel nicht erlaubt.
Das Leben draußen vor der Tür.
Das Leben eines Mannes, der Betteln muss.
Jetzt wo die Menschen zum Nachmittagsgebet strömen, lohnt sich sein Geschäft.
Ein paar Kupfermünzen wird es heute schon. geben, hofft er.
Deswegen haben ihn seine Verwandten ja auch jetzt hergebracht,
Nicht in der heißen Mittagszeit, wenn eh niemand zum Tempel geht.

Zusammenfassung

So geht alles seinen gewohnten Gang, das religiöses Leben und das Leben des Bettlers
Reichtum und religiöser Pomp auf der einen Seite
Und die die davon profitieren, die Bettler auf der anderen Seite
Ein Bild das man überall sehen kann: -> in Tansania -> aber auch bei uns, wenn sich Bettler i oder nähe von großen Kirchen aufhalten, die zu Touristenattraktionen geworden sind.
Sein Betteln hat Methode. Er sitzt nicht nur stumm da. Er spricht die Leute, die vorbeigehen an. „Eine Kupfermünze bitte“ „Eine Kleinigkeit“- „Helft einem Lahmen“

Da passiert etwas

was nicht in unsere Welt passt

Soweit so gut.
Doch dann passiert etwas.
Etwas was, wir nicht verstehen können.
Was in diese vertraute Welt einbricht.

Blickkontakt

Petrus und Johannes bleiben stehen.
Sie sehen den Lahmen an.
Normalerweise schauen Menschen, die einem Bettler nichts geben wollen, weg.
Oder sie werfen eine Münze in den Korb und gehen schnell weiter.
Aber Petrus sieht ihn an.
Und er sagt auch noch: „Sieh uns an“
Ist ihn schon mal aufgefallen, dass viele Bettler verschämt auf den Boden schauen.
Und so sehen sie sich an.
Petrus und der Bettler.
Blickkontakt.
Menschen begegnen sich.
Der Bettler wartet immer noch auf das Geld.
Vielleicht ein paar Münzen mehr als sonst.

Silber und Gold habe ich nicht

Und dann kommt der Satz:

„Silber und Gold habe ich nicht“

Dieser eine Satz durchbricht schon alles:
Die Erwartungen des Bettlers nach einer Geldspende.
Er durchbricht aber auch, den Prunk des Herodianischen Tempels mit seinen goldenen und silbernen Toren.
Hier geht es um mehr als Geld und menschliche Macht.
Hier geht es um den, der wirklich Macht hat.

Was ich habe, gebe ich dir

„Was ich habe, gebe ich dir“

Ja was hat den Petrus eigentlich?
Was hat denn die Kirche eigentlich, wenn ihr Macht nicht auf Reichtum und Geld begründet ist?
Was ist das gewisse Etwas, worauf es hier ankommt.

Der schwierige Teil

Was dann kommt ist der wirklich schwierige Part.
Worte kann man viel reden.
Aber das tun, was Petrus tut, ist schon was anderes.

„Im Namen Jesus, nimm dein Bett und geh“
Und er ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf“

Der Evangelist Lukas, als Arzt, ist an den medizinischen Details interessiert berichtet:

Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest.

Das Ergebnis: Der Lahme sprang auf und lobte Gott.
Er muss nicht mehr draußen vor der Tür sitzen.
Er kann nun mit den Petrus und Johannes hinein in den Tempel gehen und Gott loben.

wie die Geschichte weitergeht

Nehmen sie sich heute nachmittag mal Zeit und lesen in der Bibel nach wie die Geschichte weiter geht:
Petrus predigt im Tempel.
Er erklärt was passiert ist:

Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? (…) Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als der ihn loslassen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke; 15 aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen. 16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.
Das ist es also, was Petrus und die Kirche weitergeben kann.
Nicht irgendeine fromme Dienstleistung.
Es ist Jesus der Fürst des Lebens, der hier wirkt
Und der Leben verändert.

Jesus der Fürst des Lebens

Durchbrechen der religiösen Routine

Wo Jesus, der Fürst des Lebens wirkt, kann das alte Leben nicht das alte bleiben es wird neu.

Wir gehen wir Johannes und Petrus in die Kirche.
Zur bestimmten Uhrzeit, dann wenn alle gehen.
Wir halten vielleicht am persönlichen Gebet oder Meditation fest
Abends oder morgens
Oder Abends und morgens
Oder wie auch immer.
So wie Petrus und Johannes an ihren jüdischen Traditionen festhalten,
Halten auch wir an unseren Traditionen fest.
Und das ist gut so.
Doch was da passiert, ist mehr als das.
Es ist Gnade pur.
Mehr als Bitten und Verstehen

Mehr als nur Münzen

Wo Jesus, der Fürst des Lebens wirkt, kann das alte Leben nicht das alte bleiben es wird neu.
Wir haben wie der Bettler unsere Erwartungen an das Leben.

Wir sind auf diese kleinen Zuteilungen fixiert.
Auf die wenigen Münzen.
Was immer das auch für jeden von uns heißen mag.
Diese kleinen Freudenbringer im Leben
Der Urlaub
Die Zigarettenpause.
Am Abend gemütlich ins Sofa sitzen

Wir strukturieren unser Leben quasi von einer Münze zur anderen.
Und Martin Luther hat recht gehabt am Ende seines Lebens.
Wir sind und bleiben Bettler vor Gott.
Weil wir von diesen Münzen abhängig sind.
Doch er schenkt es in einer anderen Kathegorie.
In einer anderen Währung.
Nicht Gold und Silber, da wo wir Kleingeld erhoffen.
Nein die Kirche hat etwas anderes zu geben.
Gott hat etwas anderes zu geben.
Er verschenkt sich selber.

Wo Jesus, der Fürst des Lebens wirkt, kann das alte Leben nicht das alte bleiben es wird neu.

Kann Jesus mein Leben verändern?

Nun bleibt eine spannende, eine entscheidende Frage:
Kann Jesus auch mein Leben verändern?
Hat das, was das vor knapp 2000 Jahren im Tempel in Jerusalem passiert ist, etwas mit mir und meinem Leben zu tun?

nicht nur die äußerlich Gelähmten

Wir haben heute keinen Gelähmten unter uns.
Zu mindestens seid ihr alle unseren Kirchberg auf eigenen Füßen heraufgekommen.
Und wir hoffen alle darauf, dass wir irgendwann einmal einen barrierefreien Zugang zur Kirche bekommen werden.
War es damals möglich, dass Petrus den Lahmen geheilt hat?
Ist es heute möglich, dass Heilung durch gebet geschieht?
Ich glaube ja.
Aber diese Fragen führen nicht weiter
Die Frage ist und bleibt: Was kann Jesus, der Fürst des Lebens in deinem Leben tun?

Wo kann er dich verändern?

Wo kann er etwas neu machen?
Wo kann er innere Lähmungen, die gar nicht sichtbar sind heilen?
Was hat die Kirche, was sie dir. Geben kann?
Dieses Wunderbare etwas, was wir nicht begreifen und erfassen können.
Denn es übersteigt unseren Verstand.

Gnadenmomente

Wir alle brauchen diese kleinen und großen Gnadenmomente
Wo Jesus der Fürst des Lebens wirkt, kann das alte Leben nicht das alte bleiben es wird neu.
Wenn wir beim Abendmahl spüren, dass neue Kraft in unser Leben fließt.
Wenn uns plötzlich etwas Klar wird in unserem Leben.
Wenn in uns das Vertrauen über die Angst siegt.
Wenn in uns die Liebe stärker ist als der Hass.
Wenn unser Leben sich nicht mehr nur um Geld, Reichtum und Mach dreht.
Wenn wir nur wenig, ein paar Kupfermünzen erwarten
Und uns viel mehr als Gold und Silber geschenkt wird.
Dann wissen wir, Jesus der Fürst des Lebens, lebt und wirkt
In uns und durch uns
Durch seinen Heiligen Geist.
Amen.