Predigt zu Jesaia 50,4-9

Palmsonntag

Liebe Gemeindeglieder!

Heute feiern wir Palmsonntag.
Am Freitag ist Karfreitag.
Heute denken wir daran, Wie Jesus bejubelt in Jerusalem eingezogen ist.
Am Freitag schreit dann das „Volk: kreuzigt ihn.“
Die Evangelien berichten sehr ausführlich über diese Woche.
Sie erzählt aber nur wenig, wie Jesus sich gefühlt hat.?
Wie er gedacht hat?
Was sind seine inneren Motive gewesen.
Nur im Garten Gethsemane können wir einmal tiefer in seine Seele blicken.
Wie seine Seele voller Angst sich an den Vater wendet.
Lass diesen Kelch an mir vorübergehen.
Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.
Die Bibel Jesu war das Alte Testament.
Er kannte wohl viele Stellen auswendig.
Unsere Lesung aus dem alten Testament,
Aus dem Buch des Propheten Jesaia
ist vielleicht eine der Texte, die Jesus im Innersten bewegt haben.

Es sind drei Wesenszüge, Jesu Die deutlich werden.
Jesus ist ein hörender Jünger
Jesus lebt die Gewaltlosigkeit
Jesus vertraut auf Gott

Erstens Jesus ist ein hörende Jünger.

Jesus redet nicht von sich selber,
Sondern er hört auf Gott.
Aus diesem Hören erwächst sein Gehorsam.
Alle Morgen weckt er mir das Ohr,
daß ich höre, wie Jünger hören.
Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet.
Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.

Ein Gehorsam der ihn bis zum Tode am Kreuz führt.
Aus diesem Gehorsam erwächst Ihnen auch seine Kraft.
Er weicht nicht zurück.

Ein zweiter Wesenszug ist Jesu Gewaltlosigkeit

Ich (a) bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. (b)
Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

Es ist nicht nur eine Gewaltlosigkeit, die dem Konflikt aus dem Weg geht.
Sondern eine Gewaltlosigkeit, die sich dem Gegner gerade zu ausliefert.
Wir erinnern uns an die Bergpredigt:
Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. (Mt 5,39)
Jesus hat Gewaltlosigkeit nicht nur gefordert, sondern er hat sie an Karfreitag mit alle Konsequenz gelebt.

Und schließlich einen dritter Zug von Jesus ist sein Vertrauen auf Gott..

Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden.
Er ist nahe, der mich (a) gerecht spricht;
Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen?

Diese Worte könnte man fast wörtlich auf den Prozess von Jesus übertragen.
Da Jesus nicht seinen eigenen Worte gepredigt hat
Kann auch nur Gott sein Recht durchsetzen.
Weil Jesus mit dem Vater eins ist, steht am Karfreitag
nicht der Mensch Jesus vor Gericht, sondern Gott selbst.
Und Jesus vertraut darauf, dass er nicht sein eigenes Recht durchsetzen muss,
Sondern das Gott sein Recht selber durchsetzen wird.
Mein ist die Rache spricht der Herr. (5. Mose J 32:35)

Unsere Predigttext gehört zu den sogenannten Gottesknechtsliedern.

In einer Anzahl von Gedichten wir das Leben und das Verhalten eines Knechtes Gottes beschrieben.
Die Bibelforscher sind sich nicht einig, wer damit ursprünglich gemeint sein könnte.
Ist damit das Volk Israel gemeint? - so etwa der jüdische Ausleger Pinchas Lapide.
Ist der Messias gemeint?
Jener lang erwartete Nachkomme Davids, der als König sein Volk retten soll?
Bedeutsam ist auf jeden Fall, dass sie für das Alte Testament und auch für die Welt der Antike einmalig sind.
Dies wird ein einem Vergleich mit den Klageliedern des Propheten Jeremias deutlich.
Auch der Prophet Jeremia sieht sich als leidender Bote Gottes.
Aber im Unterschied zu unserem Predigttext , hadert der Prophet Jeremia mit seinem Schicksal.
Jeremia beklagt sich bei Gott darüber, wie schwer es ist ein Prophet zu sein.
Deswegen auch der Name „Klagelieder"
Der Gottesknecht in unserem Lied gibt sich ganz seinem Schicksal hin.
Ohne Murren, ohne Zweifel.
Ein schier unerträglicher Gedanke.
Das was im Buch des Propheten Jesaia hier angedeutet ist dann in der Person Jesu Wirklichkeit geworden.
Für uns Christen ist wichtig: Jesus hat dieser Stelle auf sich gezogen.
Und er hat mit ihr gelebt und ist mit ihr gestorben.

Was hat die Stelle für uns bedeutet?

Eine fast wörtliche Aufnahme dieser Stelle findet sich im ersten Petrusbrief 2,21-24:
Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
Er hat keine Sünde begangen, und kein trügerisches Wort war in seinem Mund. Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht,
sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes hinaufgetragen,
damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben.
Durch seine Wunden seid ihr geheilt.

Darin wird deutlich:

Wir sind aufgefordert Jesu Beispiel zu folgen:

So wie Jesus auf Gott hörte soll auch wieder auf Gott hören.
So wie Jesus gewaltlos lebte, sollen auch wir gewaltlos leben.
So Jesus auf Gott vertraut, Soll auch wir Gott vertrauen.

Das fällt uns oft schwer.
Nun gibt es eine schier unendliche Diskussion darüber ob das überhaupt möglich ist.
Müssen wir dem Bösen nicht widerstehen?
Dürfen wir uns nicht selbst verteidigen?
Ich glaube es gibt gar keine andere Möglichkeit.
Im Film Troja fragt Brieseis den Helden Achilles,
nach dem der ihren Vetter Hektor aus Rache erschlagen hat:
Wann wird das enden?
Achilles antwortet, während er sein Schwert schärft, „ Es endet nie“.
Die Spirale von Hassgewalt und Rache dreht sich immer weiter.
Auch die Neurologen können das bestätigen:
Wir reagieren auf erlebtes Unrecht zuerst immer emotional.
Zorn, Hass und Wut nehmen uns gefangen.
Erst in einer zweiten Reaktion Können wir dann versöhnlich und überlegt reagieren.
Aber das muss geübt und erlernt sein.
Sehr schön wird dies in der Geschichte von den zwei Wölfen, die in unseren Herzen wohnen.
Einen bösen Wolf, der für Hass und Wut steht.
Und einen guten Wolf der für Versöhnung steht.
Beide ringen in uns, wer die Oberhand gewinnt.
Welche Wolf wird die Oberhand erhalten?
Welche innere Stimme wird siegen?
Die Antwort lautet. Der Wolf, wird die Oberhand behalten, den ich am meisten füttere.
Mit anderen Worten:
Wenn ich mich zur Rache hinreißen lassen, dann wird sich in meinem Leben diese Spur vertiefen.
Wenn ich mich dagegen immer wieder für die Liebe und die Versöhnung entscheiden, dann wird sich diese Spur in meinem Leben vertiefen.

Was psychologisch so einfach klingt, Ist in der Praxis aber oft recht schwierig.
Wir können keinen Frieden schaffen, wenn wir keinen Frieden in uns haben.
Und wir können keinen Frieden in uns haben, wenn wir keinen Frieden mit Gott haben.
Ich muss Versöhnung empfangen, und Versöhnung weitergeben zu können.
Das Gleichnis vom Schalksknecht in Matthäus 28 zeigt an, warum es geht:
Ein Mitarbeiter schuldete seinem Chef eine große Summe.
Sie war größer als dass er sie je hätte zurückzahlen können.
Die Bibel spricht von zehntausend Zehnter Silber-
Nach heutigem Wert ca. 153 Mio €
In einem Gnadenakt erließ sein Chef ihm die ganze Summe ohne Gegenleistung
Andernfalls hätte der Chef nach damaligen Recht seinen Angestellten und seine Familie in die Schuldsklaverei verkaufen können.
Auf dem Nachhauseweg traf diese Mitarbeiter einen Kollegen,
Der schuldete ihm nur 100 Silbertücke, nach heutigem Wert 600€.
Das ist ein Verhältnis von 1: 255.000
Wegen dieser wenigen Euros veranlasste der Mitarbeiter Einen Inkassoverfahren und ließ ihn ins Schuldgefängnis werfen
Er hatte nichts gelernt.
Er gab die Güte und Gnade die im Sein Chef hatte zuteil werden lassen nicht weiter.

In Unserem Leben viele große und kleine Rechnungen offen.
Wenn Gott uns unsere Schulden erlässt, weil Jesus Christus am Kreuz unserer Schulden bezahlt hat, dann können auch wir andere Menschen Ihre Schulden bei uns getrost erlassen.

Eintritt in das Kraftfeld Gottes

Es wäre jetzt aber ein Missverständnis zu glauben,
Gewaltlosigkeit wäre nur unsere Sache,
Unsere ethische Leistung die wir zu bewerkstelligen hätten
Jesus geht den Weg der Gewaltlosigkeit nicht,
Weil er glaubt, ein besserer Mensch zu sein,
Oder um sich selbst besser darzustellen.
Sondern er geht diesen Weg und Gehorsam gegenüber Gott dem Vater.
Er vertraut sich in der Machtsphäre Gottes an.
Das ist ein sehr entscheidender Schritt.
Gewaltlosigkeit und passive Widerstand kann auch als menschliche Waffe eingesetzt werden.
Wir sehen das etwa Bei Mahatma Gandhi und seinen Kampf Für die indische Unabhängigkeit Gegen die britische Regierung.
Das ist dann immer auch ein menschliches Kalkül.
Eine politische Regierung, die gegen einen gewaltlosen Aufstand vorgeht verliert ihre Glaubwürdigkeit
Jesus erwartet nicht, dass er in den Augen der Menschen gerecht dastehen wird.
Er verlässt sich ganz auf das Urteil Gottes.
Erst wenn wir als Menschen zurücktreten und Gott das Handeln überlassen,
Treten wir in die göttliche Macht Sphäre ist ein Kraftfeld ein.
Das Kraftfeld von Ostern,
Das unsere menschliche Möglichkeiten überstrahlt und überbietet.
Amen.