Ja, liebe Gottesdienstbesucher!
Was wäre, wenn sie der Maier Oil wären? Würden sie zum Klassentreffen kommen? Sie wüssten ja schon von vornherein wie es abgeht, so wie damals in der Schule. Die anderen würden wie immer das Maul aufreißen, wie toll sie alle sind, und du hättest nichts vorzuweisen als dein Versagen, deine Schwachheit. Wird Maier Oli sagen, ich bin doch kein Narr, und stelle meine Schwachheit zur Schau, da bleibe ich lieber zuhause.
Kann unserer heutiger Bibelvers dem Maier Oli weiterhelfen: Paulus schreibt im 2. Korintherbrief, wie Jesus zu ihm sagt: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2 Corinthians 12:9 LUTH-94)
So ein Klassentreffen ist ja eine gute Gelegenheit um Bilanz zu ziehen. Wo stehe ich was habe ich erreicht? Ich kann mich positionieren im Vergleich zu den anderen.Bin nicht besser oder schlechter als sie? Gut, wenn man da ganz oben steht, oder im Mittelfeld, aber ja nicht unten stehen wie Maier Oli in seiner Schwachheit.
Dieses Spiel spielen wir Menschen zu vielen Gelegenheiten. Wir Menschen müssen uns positionieren. Wir müssen eine Hackordnung herausfinden, um zu wissen wo wir stehen. Der Name Hackordnung kommt aus der Verhaltensforschung. In einer Gruppe von Vögeln wird durch Schaukämpfe ausgehandelt, wer ganz oben steht und das Asphaltier ist und wer als Omegatier an letzter Stelle steht. Steht die Hackordnung einmal, dann muss nicht jedesmal neu um die Reihenfolge gestritten werden, wer als erster zum Futter gehen darf.
Treffen sich Menschen und bilden eine Gruppe, so müssen auch wir erst herausfinden, wer das Alphatier ist. Solche Situationen kennen wir an vielen Stellen: in der Schulklasse im Betrieb. Ja man sagt sogar, das ist schon bei Kindern darum geht, Wer den größeren Bagger im Sandkasten hat.

Auch Paulus war in so eine Situation geraten. Er hatte die Gemeinde in Korinth gegründet und war deshalb dort einen angesehene Person gewesen. Aber da er weiter reiste, um noch andere Menschen das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen, waren in seiner Abwesenheit andere Prediger gekommen, dies sich nach vorne drängten. Sie taten das mit unfairen Methoden. Mobbing würde man heute sagen. Sie machten den Apostel Paulus vor den Gemeindegliedern schlecht, indem sie auf seine vermeintlichen Schwächen verwiesen. Es ging ganz klar um einen Machtkampf. Wer ist der bessere Prediger? Wer hat die größere Autorität? Wer ist geistlich stärker?

Der zweite Brief des Apostels Paulus an die Korinther zeugt davon, wie Paulus diese in Machtkampf ausgetragen hat. Haut er mit der Faust auf den Tisch? Redet er die Angreifer in Grund und Boden?
Der Teil des Briefes, aus dem unser Predigtwort stammt, wird als Narrenrede des Apostel Paulus gezeichnet. Damit passt sie gut in die närrische Zeit.
Ich habe mit meiner Familie am Freitagabend, die Prunksitzung des Fastnachtsverbandes Franken Veitshöchheim im Fernsehen angeschaut. Worum geht es da? Viele Politikern waren anwesend. Unser zukünftiger Ministerpräsident Markus Söder erschien als Prinzregenten Luitpold. Auch unser Landesbischof und EKD Ratsvorsitzende Bedford Strom war anwesend. Die Mächtigen im Lande mussten sich so manches anhören. Als einige als eine als einer der Politiker mitreden wollten, verwies ihn einer der Komödianten: „Hallo wir reden hier, Politiker haben zu zu hören“.
So ist das eben im Fasching. Die Schwachen sind nun stark, und die sonst Starken sind nun schwach und bekommen ihre Schwächen gnadenlos vorgehalten.
Die Narren übernehmen als Faschingsprinzen und Faschingsprinzessinnen die Regentschaft. Sie ziehen symbolisch am 11. November in viele Rathäuser ein. So hat der Fasching auch eine politische Bedeutung. Im Rheinland mit einer besonders ausgeprägtem Karnevalskultur richtete sich der Spott des Faschings zurzeit Napoleons gegen die französischen Besatzer und später dann gegen die preußische Oberhoheit in diesen Gebieten.

Paulus hält nun seiner Gemeinde in Corinth auch eine Narrenrede, in der er sich selbst immer wieder als Narr und als töricht bezeichnet. Er hält Seinen Gegnern einen Spiegel vor. Der Spiegel ist ein uralter Gegenstand der Narren, mit denen sie schon im Mittelalter abgebildet worden sind. Der Hofnarr hält dem König und seinem Gefolge einen Spiegel vor, Damit diese erkennen, Wie dumm und wie unzulänglich sie selber sind.
In seiner Narrenrede zählt nun Paulus auf,wie viel mehr wert er eigentlich ist als seine Gegner. Immer Wiede betont er dabei, dass er als Narr spricht und dass seine Rede töricht ist. Paulus hat in der Tat viel aufzuzählen, was ihn von seinen Gegnern unterscheidet: „Sie sind Hebräer — ich auch! Sie sind Israeliten — ich auch!
Sie sind Abrahams Kinder — ich auch!
Sie sind Diener Christi — ich rede töricht: ich bin’s weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen.Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen; ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer.Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern;in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße;und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden.“ (2 Corinthians 11:22–28 LUTH-LEM)
Paulus spielt also darauf an, Was er als Apostel alles erleidet und erduldet hat. Da kann nun wohl keiner mehr mithalten. Um das Maß voll zu machen redet er dann auch noch von seinen spirituellen Visionen und Offenbarungen, die die ihn vor den anderen auszeichnen. „Ihr zwingt mich dazu, dass ich mein Selbstlob noch weiter treibe. Zwar hat niemand einen Nutzen davon; trotzdem will ich jetzt von den Visionen und Offenbarungen sprechen, die vom Herrn* kommen.
Ich kenne einen mit Christus verbundenen Menschen, der vor vierzehn Jahren in den dritten Himmel* versetzt wurde. Ich bin nicht sicher, ob er körperlich dort war oder nur im Geist; das weiß nur Gott.[-4] Jedenfalls weiß ich, dass diese Person ins Paradies* versetzt wurde, ob körperlich oder nur im Geist, das weiß nur Gott. Dort hörte sie geheimnisvolle Worte, die kein Mensch aussprechen kann.“ (2 Corinthians 12:1–3 Gute Nachricht)
Eine ganz schöne Summe, die Paulus da aufzählt. Wer kann da mithalten? Und doch sagt Paulus all das ist nichts nutze, all das zählt nicht. Damit hat er zunächst einmal die Argumente seiner Gegner entlarvt, die meinten, mit wesentlich weniger Apostel Paulus schon übertrumpfen zu können. Aber Paulus gelingt noch etwas Anderes. Dadurch dass er sich selbst als Narr rühmt stellt er sich selbst nicht in den Mittelpunkt. Er besiegt seine Feinde nicht mit den eigenen Waffen, obwohl er das hätte tun können, sondern er bringt den Machtkampf um die menschliche Rangordnung auf eine ganz andere neue Stufe.
Ja, wenn das alles nicht zählt, Seine Leiden und seine Leistungen, seine Offenbarungen was zählt denn dann? Hätten dann unser Maier Oli noch mal eine Chance?
Ist es einfach nur eine umgekehrte Verhältnisse? Zahlen jetzt auf einmal die Schwächen und nicht mehr die Stärken? Hätte jetzt Maier Oli noch mal die Chance mit seinem verkorkstem Leben zum Alphatier zu werden?
Stellen Sie sich folgende Situation beim Klassentreffen vor. Keiner mehr würde für seine Erfolge bewundert. Jeder erzählt nur noch das, was einer im Leben verkorkst hat. Und während der meisten Mist gebaut hat, der ist der Größte!
Es gibt auch eine Hackordnung die durch schlechte Eigenschaften definiert ist: Die Rangordnung der Männer wird dadurch definiert, wer die meisten Maß Bier stemmen kann. Das meint Paulus natürlich nicht Es kommt eben überhaupt nicht mehr auf Unsere Stärken Oder unsere Schwächen an, sondern auf etwas ganz Anderes.

Deutlich wird das daran, dass Paulus selber eine persönliche Schwäche hatte. Er nennt sie nur sein Pfahl im Fleisch. Paulus spricht nicht aus, was damit gemeint ist. Schämt er sich darüber zu reden wie Oli Maier? Wir wissen nicht genau was damit gemeint ist, vielleicht eine Krankheit, manche Forscher vermuten in Epilepsie.
Für Paulus ist es eine wirkliche Schwäche und Schwäche bleibt Schwäche. Selbst für den Apostel Paulus ist Umgang damit eine Herausforderung.
Paulus, so berichtet die Apostelgeschichte, hat selbst viele Kranke durch Handauflegung geheilt. Klar, das er auch für sich selber gebetet hat, Oder für sich hat beten lassen. Aber er wurde nicht geheilt. Die Krankheit blieb seine Schwachheit. Es war für Paulus schwer, das zu verstehen. Warum heile ich andere und werde selbst nicht geheilt? Warum lässt Gott meine Schwäche zu.?
Paulus erhielt daraufhin von Jesus folgende Antwort: 9 Und (Jesus) hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.
Die Schwachheit an sich zählt auch nicht, sie ist für sich völlig bedeutungslos. Die Schwachheit hat nur deshalb für Paulus eine Bedeutung, weil in unsere eigenen Schwachheit Christus gegenwärtig ist. Übersetzt man diese Stelle wörtlich aus dem griechischen, dann könnte man sagen Christus schlägt sein Zelt bei den Schwachen auf.
Ja, warum ist das so? Kann Gott auch über den Starken sein Zeit aufschlagen? Stellen sie sich einen Zeltplatz vor. Auf dem Zeltplatz der Starken sind schon so viele Zelte aufgeschlagen, Dass für das Zelt Christi kein Platz mehr ist. Die starken Sind so damit beschäftigt, Ihre eigenen Stärken zu pflegen und zu rühmen, das da kein leerer Platz mehr für Jesus Christus ist. Deswegen Kann sich Paulus Seine Stärken nur in einer Narrenrede rühmen, weil er sonst Jesus keinen Platz mehr in seinem Leben lassen würde.
Es sei hier folgendes angemerkt: man kann sich auch seiner Schwächen so rühmen, dass kein Platz mehr für Jesus da ist. Wenn unsere Gedanken nur noch um unser eigenes Leid und und unsere Schwächen kreisen, dann ist das Selbstmitleid.
Nein bei Paulus dreht sich alles nur um Jesus, dass Seine Kraft in seinem Leben wirksam ist. Darauf kommt es an. Paulus ist gegenüber seinen Stärken und seinen Schwächen indifferent. Er kann sowohl seine Stärken und Schwächen aufzählen. Sie sind ihm alle sehr bewusst, Aber sie sollen sein Leben nicht bestimmen und gefangen nehmen. Das ist die ungeheure Freiheit, die Jesus uns schenkt, wenn er auf unserem Zeltplatz sein Zelt aufgeschlagen hat. Unser Wert wird nicht mehr durch unseren Rang in einer Hackordnung bestimmt, durch das, was die anderen über uns sagen und denken. Es wird auch nicht bestimmt, ob wir uns nun stark oder schwach fühlen, oder wir wir krank oder gesund sind, sonder es wird dadurch bestimmt, dass Jesus zu uns ja sagt und er sein Zelt in unserem Leben aufschlagen will.
Zurück zum Klassentreffen: mein Haus, mein Boot, meine Frau. Wer seinen Wert an solchen Dingen festmacht der befindet sich im Hamsterrad. Er muss sich ständig neu beweisen, um oben zu bleiben in der Hackordnung. Das ist stressig, doch irgendwann geht jedem mal die Luft aus und man rutscht ab. Gut wenn man schon vorher einen Platz auf seinem Zeltplatz für Jesus freigemacht hat und man sich in Gottes liebende Arme fallen lassen kann.
Maier Oli wann würde der zum Klassentreffen kommen? Er würde dann kommen, wenn bereits damals in der Schule seine Klassenkameraden verstanden hätten, dass Stärke kein Selbstzweck ist, sondern dazu da ist um den Schwachen zu helfen, so wie es Jesus getan hat. Dazu müsste man aber die Angst los werden, dass wenn man dem Schwachen hilft, man seinen eigenen Platz in der Rangordnung verliert. Wäre das so in der Schulzeit gewesen, dann wäre Oli Maier einer von ihnen gewesen und würde ganz natürlich zu ihnen gehören trotz seiner Schwächen.
Vielleicht kommt Abe Oli Maier ja trotzdem und hat eine ganz andere Geschichte zu erzählen, nicht eine Geschichte von Erfolg und Reichtum, sondern eine Lebensgeschichte, in der Gott trotz seiner Schwächen mächtig war und mit ihm seinen ganz eigenen Weg gegangen ist. Einen Weg der ihm zwar kein Haus und kein Boot beschert hat, aber einen inneren Reichtum, von dem seine Schulkameraden nur träumen können.

Sei ein Narr, wenn andere ihre Stärken und Schwächen in den Himmel loben, wo sie nicht hingehören!
Sei kein Narr und gibt Jesus einen Platz auf dem Zeltplatz deines Lebens!