Es war ein Glücksfall, als ich im Herbst 1984 zum Pfarrer in Steinheim eingesetzt wurde, dass Schwester Irmgard Frank schon in Steinheim tätig war.

In Neuendettelsau - in Wilhelm Löhes Diakonischer Einrichtung war sie ausgebildet worden. Sie hat den Auftrag einer Diakonisse tief verinnerlicht: „Ich bin eine Dienerin des Herrn, mein Lohn ist, dass ich dienen darf.“ Irmgard Frank war mit Leib und Seele Gemeindeschwester.

Sie war das Bindeglied zwischen den Haushalten und dem Gemeindepfarrer. Sie arbeitet sehr kreativ und verbreitete Freude.

Wenn ich heute den Nachruf halte, tauche ich in die Ereignisse früherer Jahre ein.

  • Bei den Hausbesuchen wies Schwester Irmgard auf das Hausabendmahl hin. Sie bereitete einen Hausaltar vor und ging dann schon zum nächsten Haus weiter, während ich das Abendmahl feierte. So kam ich immer in vorbereitete Stuben.
  • Zum Geburtstag  kam Schwester Irmgard mit ihrer Freude und einem kleinen Geschenk.
  • Sie begleitete Menschen in den Pflegezeiten.
  • Sie war da, wenn Trauernde den Beistand eines vertrauten Menschen brauchten.
  • Sie schrieb - nach Jahresfrist - Grußkarten an die Trauerhäuser.
  • Damals gab es noch 32 produzierende landwirtschaftliche Anwesen. Schw. Irmgard war einfach dabei, wenn wir von Bauernhof zu Bauernhof fuhren, um die Erntegaben in Empfang zu nehmen - Gaben für die Diakonie selbstverständlich. Die abgelegenen Bauernhöfe suchte wir mit ihrem BMW auf – ihr Fahrstil war rasant und manchmal abenteuerlich.
  • Sie leitete die Vorbereitungen für den Weltgebetstag der Frauen in Steinheim.
  • Wir hielten zusammen Gemeindeabende in Niederrieden in der alten Schule, in Fellheim im Gasthaus, in Pless in der Schule.
  • Mit den Jugendlichen in unserer Diaspora studierten wir Weihnachts-Verkündspiele ein, die bei den Adventstreffen dargeboten wurden.
  • Schw. Irmgard saß gerne an der Orgel. Warum zum Üben in die kalte Kirche laufen - Schw. Irmgard konnte es sich leisten - sie kaufte sich prompt eine Hausorgel - ein gewaltiges Möbelstück in ihrem Wohnzimmer. Bei unzähligen Gottesdiensten war sie  „meine“ Organistin.
  • Warum  soll es den Kirchenkaffee nur in Steinheim geben? Schwester Irmgard packte einen orientalischen Tisch, Kaffeeschalen und alles Notwendige in ihr Auto ein - und als der Gottesdienst in Niederrieden beendet war, duftete es vor der kath. Kapelle (wo wir Gäste sein durften) nach Kaffee und Gebäck.
  • Schw. Irmgard regte die „Goldene Konfirmation in Steinheim“ an. Konsequent holte sie Daten und Adressen - in den Archiven von St. Martin
  • Sie war bereit, neben dem „Frauen-Treff“ auch die Gruppe „Männer im Ruhestand“ zu gründen. Auch hier brauchte es: Themen, Einladungen und Bewirtung.
  • Ich denke an die wöchentlichen Arbeitstreffen-Treffen in meinem Büro. Wir blickten auf die Botschaft der Tageslosung - und auf das Gemeindeleben. Diesen Brauch pflegten wir all die 12 Jahre, in der Schw. Irmgard und ich gemeinsam tätig waren.
  • Leider mussten wir  uns der Auflösung der Einrichtung „Gemeindeschwester“ beugen.
  • Die „Zentrale Diakonie-Station“ wurde in Memmingen eröffnet.
  • Die  Institution „Gemeindeschwester“, diese Person, die  vieles kann, nahe bei den Gemeindegliedern ist, im Gottvertrauen verwurzelt ist, vor menschlichen Gebrechen und Unvollkommenheiten nicht zurückschreckt - das war einmal…

Ich bin dankbar, mit Schw. Irmgard viele Jahre dienend unterwegs gewesen zu sein. Jesus ließ seinen Jüngern Flügel wachsen, in dem er ihnen sagte: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Pfr. Carl-Franz Weingärtner