Als ich im Juni 2015 als Lektorin eingeführt wurde konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich auch noch den Prädikantenkurs machen würde. Ungefähr die Hälfte der Kursteilnehmer machte direkt weiter mit der Prädikantenausbildung, das war für mich definitiv noch nicht dran. Ich war froh, dass ich die mündliche Prüfung (30 Minuten beim Regionalbischof in Augsburg) bestanden hatte und wollte mein neu erworbenes Wissen erstmal in der Praxis anwenden. Als Lektorin bekommt man vom Gottesdienstinstitut einen komplett vorbereiteten Gottesdienst mit Liedvorschlägen, Gebeten und natürlich einer fertigen Predigt. Dann fängt die eigene Arbeit an, denn der Text soll nicht nur abgelesen, sondern so abgeändert werden, dass er zu einem „passt“. Und man darf natürlich nicht beliebig ändern, sondern nur in einem bestimmten Rahmen. 

Ich brauchte meist sehr viel Zeit, bis ich mit der Predigt und den anderen Textbausteinen zufrieden war. Immer wieder dachte ich mir, dass es schöner wäre, meine eigenen Gedanken zu formulieren anstatt die eines anderen abzuändern. Also habe ich mich doch für den Prädikantenkurs entschieden, denn bei diesem Kurs lernt man eigene Predigten zu schreiben. Seit Oktober 2017 war ich schon dreimal für je 4 Tage in Pullach, der letzte Kursblock findet im Mai statt. Die Kurstage sind zwar anstrengend, aber auch sehr interessant und ich fahre immer mit vielen hilfreichen Informationen und neuen Erkenntnissen wieder nachhause. Morgen- und Abendandacht, Spaziergänge in der Mittagspause und das nette Miteinander in der Gruppe gehören natürlich auch dazu. Eine meiner ersten Erkenntnisse  war, dass es wesentlich schwieriger ist, eine eigene Predigt zu schreiben, als eine fertige Predigt abzuändern… Gut, dass mir mein Mentor Pfarrer Ritter zwischen den Kurseinheiten hilft, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Ich bin froh, dass ich mich zur Prädikantenausbildung entschieden habe und bin schon gespannt auf den letzten Teil, denn da steht neben einer Predigtbesprechung die Abendmahlspraxis auf dem Programm (Hausaufgabe: die Einsetzungsworte auswendig lernen). 

Auch wenn ich großen Respekt vor der Aufgabe habe, die als Prädikantin auf mich zukommt, freue ich mich darauf und vertraue auf die Worte, die Paulus im Philipperbrief 4,13 schreibt: 

Denn alles ist mir möglich durch Christus, der mir die Kraft gibt, die ich brauche.

Sylvia Greiner

Der Prüfungsgottesdienst von Sylvia Greiner findet am 24.6 um 9.30 in Steinheim statt.